Der klassische, unbehandelte Bioabfall
Wenn wir von Bioabfall reden, meinen wir meist alles, was an biologischem Material in der Küche oder im Garten anfällt. Schaut man genauer hin, erkennt man schon, dass es drei größere Teilbereiche gibt: Der klassische unbehandelte Bioabfall bestehend aus leicht verrottendem Material entweder aus der Küche oder aus dem eigenen Garten. Diesen wirft man entweder auf den eignen Komposthaufen oder in die Biotonne. Die Entsorgung dieser einzusammelnden Bioabfälle ist eine staatlich geregelte Aufgabe, die durch die sogenannte Bioabfallverordnung geregelt ist. Diese Vorschrift legt die Bedingungen fest, unter denen organische Abfälle, wie sie aus Haushalten und Gewerbe stammen, gesammelt werden müssen und verwertet werden dürfen.
Speisereste – in der Gastronomie Entsorgung durch Fischer + Hohner
Zusätzlich zu den Bioabfällen gibt es die Speisereste, also alles, was schon einmal zubereitet wurde. Diese kommen je nach Vorgabe des Entsorgers entweder ebenfalls in die Biotonne oder, vor allem, um Schädlingsbefall vorzubeugen in die Restmülltonne. Die Gastronomie verfügt in der Regel über spezielle Speiserestetonnen, wie sie auch von Fischer + Hohner bedient werden. Nach der Entleerung der Speiserestebehälter in das Sammelfahrzeug werden die Behälter am Fahrzeug mit Wasserhochdruck nachgereinigt, um die Hygiene vor Ort sicherzustellen.
Baum- und Strauchschnitt für den Kompost oder das Heizkraftwerk
Neben den vorgenannten organischen Abfallfraktionen gibt es noch den Baum- und Strauchschnitt, der erst zerkleinert werden muss, um kompostiert zu werden. Das passiert in der Regel an den Grünabfallsammelplätzen, die auch an den kommunalen Wertstoffhöfen vorgehalten werden. Je stärker das Material verholzt ist, desto länger dauert es, bis es verrottet, ggf. sind das einige Jahre. Ist der Verholzungsgrad zu hoch, geht das Material in die Verbrennung in sog. Biomasseheizkraftwerken.
Zu fast 100 % stofflich verwertbar
Wie wichtig eine ordentliche Trennung ist, sieht man schnell, wenn man sich die Mengenströme dieser Fraktionen ansieht. In 2023 waren es in Summe rund 5,2 Millionen Gewichtstonnen, die über die Biotonne erfasst wurden. Bei den Speiseresten reden wir von ca. 4 Millionen Gewichtstonnen pro Jahr und aus der Landschaftspflege sind es weitere knapp 6 Millionen Geiwchtstonnen. Das großartige daran ist, dass diese Abfälle nahezu zu 100 % stofflich verwertet werden können. Während Speisereste aufgrund des hohen Energiegehalts meist in einer Biogasanlage zur Gewinnung von Strom und Wärme verwertet werden, gehen die anderen Fraktionen klassischerweise direkt in die Kompostierung. Der Trend geht auch hier zu einer Kombination aus Vorvergärung und Kompostierung, um möglichst viel Energie zu gewinnen. Die Gärreste aus der Biogasanlage gehen in der Regel als Dünger in die Landwirtschaft.
Problem Störstoffe
Alle beschriebenen Verwertungswege, insbesondere der über die Biotonne, kämpfen mit den Beimischungen von unverrottbaren Störstoffen, wie Plastik, Glas, Metall oder Restmüll. Oft sind diese Störstoffe mit guter Absicht beigemischt worden, weil z.B. die sogenannte biologisch abbaubare Plastiktüte als 100% kompostierbar verkauft wurde, was sie außerhalb des Labors aber nicht wirklich ist. Egal ob in der Biotonne oder in der Biogasanlage, die Störstoffe müssen irgendwann aufwändig entfernt werden, da sie am Ende ja nicht in der Natur landen dürfen. Deshalb treiben solche Beimischungen die Abfallgebühren in die Höhe und manche Entsorger in die Verzweiflung. Eine erkennbar störstoffbelastete Biotonne oder Speiserestetonne einfach stehen zu lassen widerstrebt den Entsorgern, weil es meistens nicht viel bringt. Die Verbraucher bzw. Verursacher werfen verunreinigte Materialien, Plastik oder durchnässtes Papier dann in die Wertstofftonnen, verunreinigen diese, statt ihr eigenes Trennverhalten rechtzeitig zu überdenken.
Phosphor – einer der wichtigsten Inhaltsstoffe im Bioabfall
Eine der wichtigsten Inhaltsstoffe im Bioabfall ist übrigens der Phosphor, da die Pflanzen diesen nur sehr begrenzt aus den heimischen Böden bekommen. Bisher wurde Phosphor hauptsächlich im Bergbau abgebaut und rund um den Globus transportiert. Neben dem Bioabfall sind übrigens auch die Schlämme aus Kläranlagen wahre Goldgruben in Bezug auf Phosphor, weshalb auch diese in Zukunft viel intensiver genutzt werden sollen.
Verfasser: Dr. Christoph Stöckle
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