Landkreis Augsburg tauscht gelben Sack gegen Wertstofftonne
Wie bereits erfolgreich in Berlin, Münster, Leipzig, Braunschweig und Hannover umgesetzt, hat sich auch der Landkreis Augsburg zur Einführung der Wertstofftonne entschlossen. 2025 wurde dort der gelbe Sack durch eine sogenannte Wertstofftonne abgelöst. Warum eine solche Entscheidung nicht nur mutig ist, sondern auch viel mit Vertrauen zu tun hat, sehen wir in diesem Newsletter.
Grundlegendes Prinzip der Abfallwirtschaft
Um das vorherrschende Sammelprinzip, bestehend aus Tonne, Wertstoffinsel und Wertstoffhof, zu verstehen, müssen wir einen Blick auf eines der grundlegendsten Prinzipien der Abfallwirtschaft werfen: Dieses besagt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Erfassungsquote, der Sortierqualität und der Entfernung zum Sammelbehälter gibt. Je näher der Sammelbehälter beim Abfallerzeuger steht, desto größer ist der erfasste Anteil an Abfällen. Klingt erstmal super, allerdings reduziert sich hierbei die Sortierqualität – wir erfassen also mit den Tonnen vor der Haustür mehr von einem größeren Durcheinander. Im Gegensatz dazu erfassen die Wertstoffinseln für z. B. Glas und Dosen zwar nur einen geringeren Anteil dieser Abfälle, dafür sind die gesammelten Fraktionen jedoch deutlich besser sortiert. Optimal ist es am Wertstoffhof, da hier zudem ein „betreutes Sortieren“ möglich ist. Dazu kommt natürlich auch noch der Kostenaspekt, wonach die Tonne die kostspieligste Variante und der große Container am Wertstoffhof die günstigste Variante ist.
Stoffgleiche Nichtverpackungen
Nun weiß man schon lange, dass beim deutschlandweit gängigen Wertstoff-Sammelsystem (duales System – „Der grüne Punkt“) viele Wertstoffe verloren gehen. Um hier Abhilfe zu schaffen, entstand der Gedanke einer Wertstofftonne. Diese soll Kunststoffe und Metalle erfassen, welche keine Verpackungen sind und deshalb nicht in den gelben Sack, bzw. die Sammelbehälter an den Wertstoffinseln gehören, die sogenannten „stoffgleichen Nichtverpackungen“. Aber warum gibt es diese Wertstofftonne dann nicht schon längst überall, sondern immer noch diesen leidigen gelben Sack?
Gelber Sack ausschließlich für Leichtverpackungen
Das liegt daran, dass dieser unbeliebte Sack tatsächlich ziemlich durchdacht ist. Er ist ausschließlich für Leichtverpackungen gedacht. Alles, was nicht dazu gehört, hält der Sack gar nicht aus. Deshalb war es auch eine jahrelange Versuchsreihe, bis man die richtige Materialstärke für diese Säcke ermittelt hatte und am Ende bei sehr dünnwandigen, nicht besonders reißfesten Säcken gelandet ist. Ganz nebenbei soll der Sack optimalerweise auch für keinen anderen Zweck gut sein, sonst fungiert er als kostenloser Universalsack für alle Lebensbereiche. Mit allem, was der Sack nicht packt, kann am Ende die Sortieranlage ein Problem bekommen, da die Technik dieser Anlagen nicht für andere Abfälle gemacht ist und schnell Schaden nehmen kann. Bei einer Tonne ist dieser Mechanismus ausgehebelt und man muss leider mit so ziemlich allem rechnen. Wir erinnern uns, die Tonne steht nahe am Erzeuger und hat dadurch eine schlechtere Sortierung.
Vertrauensvorschuss und Sortiervorgaben des Entsorgers
Für die Umwelt und die Kreislaufwirtschaft ist die Tonne ein Segen, die Anlagenbetreiber sind aber auf die Gewissenhaftigkeit der Erzeuger angewiesen. Selbst wenn der Fehlwurf die Anlage nicht beschädigt, stört er dennoch den Sortierprozess und verursacht zusätzlichen Aufwand bzw. unnötige Kosten. Man muss diese Tonnen deshalb als Vertrauensvorschuss sehen und sich möglichst genau an die Sortiervorgaben des Entsorgers halten. Auf keinen Fall sollte die Tonne als zusätzliches Volumen für andere Fraktionen wie Restmüll oder Bioabfall nutzen, da solche Mischungen dann oft nur noch verbrannt werden können. Schlimmer sind da nur noch brandgefährliche Fehlwürfe, wie z.B. Batterien. Diese werden in den Sortieranlagen meist zerrissen und sind für viele, teils verheerende Brände bei den Entsorgern verantwortlich. Deshalb freuen Sie sich über den großen Schritt in eine bessere Kreislaufwirtschaft und nehmen es als Kompliment für die gute Abfalltrennung in der Vergangenheit.
Verfasser: Dr. Christoph Stöckle
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