Probleme und Risiken beim Kunststoff-Recycling
Kunststoffe ändern die Zusammensetzung
Im ersten Teil des Kunststoffnewsletters haben wir gesehen, was Kunststoffe eigentlich sind, was sie so vielseitig macht und warum sie unter gewissen Umständen auch gefährlich sein können. Nun soll es darum gehen, was man mit Kunststoffabfällen machen kann und warum das Recycling oft gar nicht so einfach ist.
Wie alles auf der Welt gibt es auch beim Kunststoff eine unaufhaltsame Alterung, wodurch im Laufe der Zeit einzelne Bausteine zerfallen. Das geht umso schneller, wenn der Stoff UV-Licht ausgesetzt ist. Sonnencreme in Form von UV-Stabilisatoren verhindern zwar die erste Zeit das Schlimmste, aber irgendwann zerstört das energiereiche Licht einzelne Moleküle. Neben dem Sonnenlicht setzen aber auch noch viele andere Umweltfaktoren wie z.B. Hitze oder aggressive Chemikalien den Kunststoffen zu. Die Auswirkungen kann man oft schon mit bloßem Auge erkennen, nämlich, wenn das Material spröde wird und ausbleicht. Wie wir im ersten Teil des Newsletters gesehen haben, sind Kunststoffe nicht geschlossen, sondern können einzelne Bestandteile auch nach außen abgeben, wodurch sich ihre Zusammensetzung ändert. Diesen Prozess gibt es auch in die andere Richtung, wobei Stoffe aus der Umwelt aufgenommen werden.
Eine bunte Mischung
Am Ende soll der Kunststoff dann irgendwie verwertet werden, am besten natürlich indem ein neues Kunststoffprodukt entsteht. Das Standardverfahren hierfür ist aktuell das werkstoffliche Recycling. Hierzu werden die Kunststoffprodukte kleingehäckselt, nach der Sorte (PE, PET, PVC etc.) getrennt und als Granulat zu neuen Produkten verarbeitet. Wie wir aber jetzt wissen, ist eine solche Reinfraktion nicht das, wonach es scheint, sondern eine bunte Mischung mit verschiedenen Alterungsgraden sowie einem Zoo von Additiven und eingewanderten Stoffen. Beim Standardverfahren werden diese Stoffe aber nicht abgetrennt und landen so direkt wieder im neuen Produkt.
Problemstoffe
Bei dieser unkontrollierten Verschleppung von Stoffen gelangen auch Schadstoffe in die neue Ware, weshalb man mancherorts sogar von „Toxic Recycling“ oder „Riskcycling“ spricht. Ein aktuelles Beispiel für eine solche Verschleppung sind Küchenutensilien aus schwarzem Kunststoff, die Flammschutzmittel aus einem früheren Leben in Elektrogeräten enthalten können. Die Hitze beim Kochen verstärkt deren Freisetzung und sie gelangen direkt in die zubereiteten Nahrungsmittel. Die Konsequenzen daraus sind recht einfach zu ziehen: Solange wir das nicht in den Griff bekommen, können sensible Produkte nur eingeschränkt aus Kunststoff-Rezyklaten hergestellt werden. Einzig bei der PET-Flasche gibt es wenig Bedenken, da PET ohne Weichmacher verarbeitet wird und auch sonst kaum Additive eingesetzt werden. Zudem gelangen durch die Rücknahmeautomaten fast ausschließlich ehemalige Flaschen in den Kreislauf. Glücklicherweise ist die Lage aber nicht völlig hoffnungslos, wenn auch das werkstoffliche Recycling nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann.
Chemisches Recycling
Einen Lösungsansatz haben wir bereits im Newsletter zur „Energie aus Abfall – Waste to power“ kennengelernt: das chemische Recycling. Der Begriff beschreibt eine Vielzahl von Verfahren, von denen ein Ansatz für das vorliegende Problem besonders geeignet zu sein scheint. Bei der so genannten Depolymerisation werden die Kunststoffpolymere in ihre chemischen Grundbausteine zerlegt, wobei auch alle Begleitstoffe abgetrennt werden. Die Bausteine können direkt wieder zum neuen Kunststoff verarbeitet werden und der entstandene Stoff ist am Ende mit Produkten aus neuen Rohstoffen vergleichbar. Bis eine solche Technik allerdings so weit ausgereift ist, dass man sie großtechnisch anwenden kann, dauert es aber sicherlich noch eine Weile.
Verfasser: Dr. Christoph Stöckle
#umweltintelligenzleben – macht mit!

