Verbraucher tragen die Kosten am Ende doch selbst
Jeder zahlt sie – entweder direkt oder über die Nebenkostenabrechnung: die Abfallgebühren. Diese bezahlen wir in erster Linie dafür, dass die Müllabfuhr zu uns nach Hause kommt. Und das strikt nach Abfuhrplan, bei Wind und Wetter, Eis und Schnee. Wenn heute noch etwas weitestgehend zuverlässig funktioniert, dann die Müllabfuhr. Neben der üblichen Vielfalt an Mülltonnen vor der Haustür gibt es jedoch weitere Kosten für die Abfallentsorgung, die beispielsweise am Wertstoffhof pro Anlieferung anfallen.
Hinzu kommen sogenannte „versteckte“ Müllgebühren, die wir über andere Steuern und Abgaben, etwa für die Stadtreinigung, mitbezahlen. Erfreulicherweise gibt es jedoch auch eine Vielzahl von Abfallfraktionen, die kostenlos abgegeben werden können, darunter Verpackungsabfälle, Elektrogeräte, Batterien, Altöl und Altautos. Hier tragen die sogenannten Inverkehrbringer zunächst die Kosten für die Entsorgung. Allerdings legen sie einen Großteil dieser Kosten über Einpreisungen in ihre Produkte letztlich wieder auf die Verbraucher um. Wir als Verbraucher tragen die Kosten am Ende also doch selbst.
Abfalltonne – die teuerste Form der Entsorgung
Aber was passiert eigentlich mit den kommunal erhobenen Müllgebühren, die uns Privathaushalten und Gewerbetreibenden direkt angelastet werden und alles andere als ein Schnäppchen sind? Zunächst muss man wissen, dass die Entsorgung über die Abfalltonne die teuerste Form der Abfallentsorgung ist. Dabei muss ein Fahrzeug mit bis zu drei Mitarbeitern jedes Haus anfahren und die Mülltonne meist per Hand in die Schüttung am Fahrzeug einhängen.
Die Anforderungen an Fahrer und Müllwerker sind hoch: Es braucht viel Konzentration, Kraft und Geschick. Hinzu kommen die Kosten für die eingesetzten Gerätschaften. Pro Tour werden teils mehrere hundert Müllbehälter geleert, was eine zuverlässige und robuste Technik voraussetzt. So kostet ein konventionell dieselbetriebenes Müllfahrzeug in der Anschaffung schnell 270.000 € oder mehr. Zusätzlich fallen Kosten für Treibstoff, Reinigung und Wartung an.
Beabsichtigt eine Kommune für einen umwelt- und bürgerfreundlichen, schadstoffarmen Abfallsammelbetrieb die Neuanschaffung eines elektro- oder wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeugs, liegen die Anschaffungskosten schnell beim dreifachen Wert (780.000–920.000 € pro Sammelfahrzeug). Diese Kosten werden über eine Fahrzeuglaufzeit von 8 bis 10 Jahren auf die Müllgebühren umgelegt und damit an uns Bürger weiterberechnet.
Hochwertige Entsorgungswirtschaft
Zu den reinen Sammelkosten kommen die Entsorgungskosten hinzu, da auch Sortieranlagen, Verbrennungsanlagen und gegebenenfalls Deponien sowohl in der Errichtung als auch im laufenden Betrieb hohe Kosten verursachen. Insgesamt verfügen wir in Deutschland über eine sehr hochwertige Entsorgungswirtschaft, die kontinuierlich bestrebt ist, ein Maximum an Wertstoffen aus den Abfällen zurückzugewinnen und dabei jederzeit die Entsorgungssicherheit zu gewährleisten. Dies erfordert hohe Investitionen in zukunftsfähige Technologien, aber auch in den Erhalt des bestehenden Anlagenbestands. Viele Verbrennungsanlagen sind in die Jahre gekommen und müssen derzeit oder in naher Zukunft zumindest technisch ertüchtigt, wenn nicht sogar vollständig erneuert werden.
Unterschiedliche kommunale Strukturen und Anlagenträgerschaften auf Ebene der Städte und Landkreise führen darüber hinaus zu teils deutlich unterschiedlichen Gebühren. Zahlreiche Kommunen haben sich daher in den vergangenen Jahrzehnten für die in der Bundesrepublik Deutschland andienungspflichtige hoheitliche Aufgabe der geordneten Abfallentsorgung in Zweckverbänden zusammengeschlossen, um geeignete Größenordnungen für kostengünstigere Entsorgungsanlagen realisieren zu können.
Vermeidung von Abfall zur Kostenoptimierung
Was kann nun jeder Einzelne tun, um die Gebühren positiv zu beeinflussen? Die beste Variante ist die Vermeidung von Abfall, wofür es bekanntlich viele Ansätze gibt. Für alles Weitere ist eine optimale Sortierung entscheidend, da Fehlwürfe in Wertstofftonnen häufig eine aufwendige und kostenintensive Nachsortierung erfordern oder ein Wertstoffgemisch am Ende sogar unverwertbar machen können. Auch die Vermüllung der Umwelt schlägt sich letztlich in den Gebühren nieder, da diese Abfälle mühsam eingesammelt und auf Kosten der Allgemeinheit entsorgt werden müssen.
Dennoch müssen wir uns auf eine stetige Steigerung der Gebühren einstellen, da keine der Kostenkomponenten – Fahrer- und Müllwerkerlöhne, Anlagenteile, Müllfahrzeuge etc. – tatsächlich günstiger werden. Wie stark dieser Anstieg ausfällt, liegt jedoch durchaus auch in unserer Hand.
Text: Dr. Christoph Stöckle
#umweltintelligenzleben – macht mit!

